Galerie im Alten Schloss in GAILDORF
Interessengemeinschaft KUNST e.V.

Ausbau der neuen "Galerie im Alten Schloss"

Spätestens nach der 2. Ausstellung im Wurmbrand- und Weißen Saal war klar geworden, dass die Aufwendungen zu groß waren und vor allen Dingen die Räume wegen anderweitiger Nutzung manchmal nur eine begrenzte Dauerverfügbarkeit waren. Es musste also nach einer anderen Lösung gesucht werden. Diese fand sich erfreulicherweise schnell durch die Zusage von Bürgermeister Engel, uns zwei seit längerem nicht mehr genützte Räume der früheren kaufmännischen Berufsschule im 2. Stock zur Verfügung zu stellen. Es standen uns aber zum Ausbau zu einer Galerie sehr viel Arbeit und hohe Kosten bevor. Wegen der Installation einer Heizung konnte erst spät begonnen werden. Im ersten Raum musste die herabhängende Gipsdecke vollends entfernt werden, viele Löcher in den Wänden verputzt, Türen und Fenster gestrichen, Böden gereinigt und eine aufwendige, den historischen Räumen und den Exponaten gerechtwerdende Beleuchtung installiert werden. Vorhänge schließlich bewirkten eine gute Atmosphäre. Für die Installation von Schienen für das Aufhängen der Bilder standen auch wieder die Kosten im Vordergrund. Anstelle, wie üblich, Schienen aus Alu zu verwenden, wurden solche aus Holz montiert, die praktisch den gleichen Zweck erfüllen, aber anstatt 2.000 DM nur ca. 100 DM kosteten und auf den unebenen Wänden sogar besser montierbar waren. Für die Vorhänge wurde ein ähnlicher Weg gewählt. Normale Stoffe waren viel zu teuer. Man fand in den Stoffen für Schleifbänder aus einer Weberei im Filstal eine, für uns kostenmäßig gute Lösung. Da die Wendeltreppe auch noch für einen möglichst unfallfreien und reibungslosen Zugang gerichtet werden musste, war praktisch bis zur letzten Minute der ersten Ausstellung in den Räumen hart gearbeitet worden, auch samstags und sonntags. Zur Vernissage der 1. Ausstellung mit Bildern von Dietmar Gürtler am 20. November 1995 war man pünktlich fertig geworden. Die Eröffnung im Wurmbrandsaal wurde vom Hausherrn Bürgermeister Engel vorgenommen und Vorstand Conradt dankte besonders den vielen Helfern aus dem jungen Verein für ihren Einsatz und Hilfe.
Diese und die folgenden Ausstellungen mit Bildern von Erika Hartwieg aus USA, dem früheren Gaildorf Wolfgang Göhner und Friedrich Karl, Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg, welcher in Gaildorf nun schon zum dritten Mal ausstellte, wurden nicht nur der vielen Besucher wegen zu einem großen Erfolg. Die Gaildorfer begannen über die Galerie jetzt wieder von "ihrem Alten Schloss" Besitz zu ergreifen. Es gab von allen Seiten Lob und Anerkennung, das Gästebuch bringt's zum Ausdruck.

Der zweite Bauabschnitt und die Saison 96/97

Die nächste Ausstellung und ihre Abwicklung zeigten aber schon sehr bald die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaus des dritten Raumes, bisher noch Rumpelkammer und die Entfernung des manchmal "ziemlich übelriechenden" Toilettenhäuschens.
Wieder stand im Herbst "große Arbeit° an. Aber bevor begonnen wurde, musste entrümpelt werden: Von der kaufmännischen Berufschule bergeweise Material und anderes. Dieser Raum, irgendwann durch eine Bretterwand zweigeteilt, erforderte besonders viel Arbeit wegen Entfernung der unansehnlichen Verkleidung des historischen Fachwerks, mit seiner originalen Bemalung und der ebenfalls später eingezogenen Gipsdecke sowie einer zweiten Fußbodenlage. Die noch im rückwärtigen Teil
vorhandene, historische Holzdecke wurde dann auch im vorderen Zimmerteil fortgeführt, wo sie zweifelsfrei auch einmal vorhanden war. Dadurch hat dieser Raum nun einen schönen Kabinettcharakter erhalten, der sich besonders zum Hängen kleiner Bilder eignet. Jetzt konnten schon Ausstellungen mit 50 Bildern gezeigt werden, was für eine komplette Galerie und für eine Einzelausstellung als unterste Grenze gilt. Nach staubigen Tagen konnte die Galerie planmäßig ihre Pforten für die neue Ausstellungssaison mit den südländisch anmutenden Bildern des Puerto-Ricaners Ayvazian öffnen, nach dessen Farbrausch Batiken und Bilder in gedämpften Tönen der Einheimischen Völker, Lamprecht, sowie Köhler-Kaiser/ Berger erfolgreich gezeigt wurden. Sibylle Bross aus Waiblingen schloss mit ihren expressiven Landschaften und Portraits an und rundete das Programm ab. Mit den Bildern von Reichart/Reichart und Leyendecker, der auch mit Afro-Kunst-Skulpturen vertreten war, fand eine aufwendige, interessante und ereignisreiche Saison ihren Abschluss. Unsere bisherigen Ausstellungen wurden anscheinend von den Besuchern gut aufgenommen und erzeugten ein dementsprechendes Echo. Wir wurden in der Kunstszene bekannt! Durch Künstler aus dem Waiblinger und Heilbronner Raum kamen nicht wenige Besucher von dort, um die Galerie und das ihnen meistens bis dato unbekannte Schloss kennen zu lernen. Die Ausstellungs-Eröffnungen, meistens musikalisch umrahmt, waren immer gut besucht und es entwickelte sich daraus eine gute, kunstorientierte Atmosphäre. Die Galerie wurde auch zum Treffpunkt. Dass die Künstler teilweise gut verkaufen konnten, musste sich herumgesprochen haben, da die Bewerbungen für Ausstellungen deutlich zulegten. Dieser erfreuliche Trend führte natürlich auch zu einem höheren Niveau der Ausstellungen.

Die Saison 96/97 mit regionalen und internationalen Künstlern wurde nach insgesamt sechs Ausstellungen am 20. Juli 1997 abgeschlossen. Eine Pause war notwendig, da der Besuch in den Sommermonaten verständlicherweise nachließ. Viele Mitglieder haben sich wieder in uneigennütziger Weise stark engagiert. Ohne sie wäre eine Galerie nicht zu betreiben ! Nicht unerwähnt bleiben sollen auch andere parallel stattfindende, Verein und Galerie unterstützende Aktionen, wie mehrere Besuche von Kunstausstellungen in Tübingen, Mannheim, Basel, Stuttgart und im nahen Künzelsau - Gaisbach bei Würth. Der Zuspruch für diese Fahrten bestätigt die Richtigkeit unserer Zielsetzung. Anlässlich unseres monatlichen Stammtisches werden nun auch des öfteren Kurzreferate und Workshops zu künstlerischen Fragen angeboten, was von den Besuchern mit großem Interesse aufgenommen wird. Nicht unerwähnt bleiben soll das während der Sommerferien für die Kinder angebotene Malprogramm, das regen Zuspruch findet.

Die 2. Erweiterung oder der 3. Bauabschnitt

Aus früheren Gesprächen mit der Stadtverwaltung war erkennbar, dass eine Arondierung des gesamten Stockwerkes für die Galerie das Ziel sein müsste. Der praktische Betrieb, sowie versicherungstechnische Gründe zwangen relativ schnell zur Realisierung dieser Überlegung und Zielsetzung. So waren wir sehr froh, dass sowohl Albverein wie auch Historischer Verein ihre Räume schnell freimachen konnten. Für das Verständnis beider Vereine für unsere Situation sei an dieser Stelle gedankt. Damit stand einer Inangriffnahme des 3. Bauabschnittes, gleich nach der letzten Ausstellung Ende Juli 1997 nichts mehr im Wege. Während andere im heißen Sommer ins Freibad pilgerten, sind wir bei der Herrichtung der drei neuen Räume wieder sehr behutsam zu Werke gegangen, um ja nichts, was historisch von Wert sein könnte, kaputt zu machen. Trotz dieser, immer unter größter Umsicht geleisteten Arbeit, waren manchmal große Staubwolken und viel Dreck nicht zu vermeiden und so konnten wir unsere sommerliche Schwitzkur hier im Dienst für Kunst und Kultur hinter uns bringen. Löcher wurden geflickt, neu aufgebaut, geschreinert, gegipst, getüncht, installiert usw.. Es war wieder die ganze Palette handwerklicher Arbeit von Nöten, um beispielsweise aus dem ersten, zweigeteilten Raum einen schönen großen und hellen mit ca. 60 m2 zu machen. Eine generalstabsmäßige Vorplanung war schwierig, da man ständig vor neuen Überraschungen stand. So war anfänglich nicht klar, was mit dem großen und tiefen Wandschrank geschehen sollte. Nach heißer Diskussion und dem Weg des geringsten Aufwandes folgend, wurde eine. schöne Vitrine daraus.

Heute Schmuckstück des Raumes. So ähnlich spulte sich auch der Ausbau des zweiten Raumes auf der rechten Seite ab. Dieser war zuletzt als Küche genutzt. Terrazzoboden, ein verfaulender Spültisch und ein noch mit Asche gefüllter Herd zeugten davon. Viele wollten anfänglich den aus den Zwanzigern stammenden haben, doch Gewicht und die Schwierigkeit des Abtransportes über die Treppe Iiessen schnell alle Wünsche platzen. So führte sein Weg, in Einzelteile zerlegt, durchs Fenster im freien Fall direkt in einen Container im SchIossgraben. Der Terrazzoboden wurde herausgemeißelt, von Hand natürlich. Es war eine Sträflingsarbeit! Jetzt glänzt an dieser Stelle ein schönes Parkett. Das im Anschluss an diesen Raum auf der südöstlichen Seite gelegene Zimmer machte  am wenigsten Arbeit. Wegen seiner drei Fenster verblieb nur wenig Fläche zum Hängen von Bildern. Daher wurde daraus das so dringend benötigte "Geschäftszimmer" zur Unterbringung von Werkzeugen, Leitern, Aufhängungen, Farbe und anderen in einer Galerie zum Betrieb notwendigen Gerätschaften. Ein wesentlicher Schritt zur Beseitigung von Provisorien war die Installation einer kompletten Küche, die uns ein wohlgesonnenes Unternehmen in Gaildorf spendete. Jetzt konnte bei der Vernissage die Bewirtung der Gäste von hier aus erfolgen; für unsere Frauen, denen dieses Amt oblag, eine wesentliche Erleichterung! In diesem Geschäftszimmer fand auch der neue Thermoblock für die nun gut funktionierende Heizung seinen Platz.

Acht Wochen intensivster Arbeit waren vergangen. Manche nahmen sich Urlaub, an den Wochenenden wurde von früh bis spät, meistens ohne Pause, von "Marketenderinnen" gut mit Pizza, Kuchen und Kaffee versorgt, gearbeitet. Das Ziel war endlich erreicht. Alle Bedenken, ob es erreichbar wäre, waren verscheucht. Aber über einen Punkt war man sich einig: Jetzt reicht es!

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