Ausstellung in der Galerie im Alten Schloss Gaildorf vom 21.11. - 19.12.2010
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DIRK POKOJ
"Grau in Grau"

Bericht : Richard Färber (Rundschau für den Schwäbischen Wald 18.11.2010)
Gaildorf. Aufwendiger hat noch keiner die Galerie im
Alten Schloss in Gaildorf bestückt. Dirk Pokoj, zehnter Stadtmaler der
Schenkenstadt, bereitet seine Abschlussausstellung vor. Am Sonntag wird
sie eröffnet.
Derzeit riechts noch ein bisschen nach Leinöl in der Galerie im Alten
Schloss zu Gaildorf, bis zur Ausstellungseröffnung am kommenden Sonntag
wird der Geruch allerdings verflogen sein. Leider, sagt Dirk Pokoj, der
gerade eine dreieinhalb auf zwei Meter große, bemalte Leinwand, die auf
dem mit Folie ausgelegten Boden liegt, mit Wasser bestreicht, um sie zu
glätten. Er hätte sich den Aufwand sparen und eine grundierte Leinwand
nehmen können, aber das gefällt ihm nicht. Grundiert ist die Leinwand so
gut wie tot, sagt Pokoj.
Der zehnte Gaildorfer Stadtmaler bereitet seit einigen Wochen seine
Abschlussausstellung vor. Dazu hat er die Galerie im Alten Schloss
gekapert und zunächst mit Folie ausgelegt. Die zentralen Arbeiten, die
er in den historischen Räumen zeigen wird, sind auch dort entstanden: So
genannte "Figurationen" auf Rohleinen beziehungsweise auf Bleifolien,
mit denen die Wände des Willo Rall-Raumes und des Peter Jacob
Schober-Raumes ausgekleidet wurden. Pokoj will zum Abschluss des
Stipendiums, das er vor einem Jahr angetreten hat, etwas zeigen, er
betreibt einen Aufwand wie noch kein Stadtmaler vor ihm.
Die "Figurationen" sind wesentlich im Wirken des 44-jähriger
Stuttgarters, der seit einigen Jahren auf dem Kieselberg bei Gaildorf
lebt. Es sind entindividualisierte Menschendarstellungen, Gruppen,
Rudel, Herden, die er zunächst vor allem in Beton gegossen hat.
Der Wechsel von der Skulptur zur Leinwand, von der Drei- zur
Zweidimensionalität erzwingt Nähe: Konnte man die Szenerien bisher
umrunden und nach Gusto und distanziert von allen Seiten anschauen,
steht man nun in einem direkten Bezug zu den abgebildeten Figurationen -
Pokoj hat die Distanz vermindert, der Betrachter blickt auf
Gleichartige, und wenn sein individuelles Empfinden angesichts der
gesichtslosen Körper, die sich da auf ihn zubewegen, einen Kratzer
abkriegt, ist das nicht das schlechteste Ergebnis. Ein Strich von unten
nach oben genügt für eine dieser Kreaturen - Pokoj hat dem Pinsel einen
Scheitel geschnitten: für den Körper muss er nur kräftiger drücken.
Selbstwahrnehmung ist der Schlüssel auch zum Verständnis jener
Figurationen, die Pokoj weiter entwickelt hat. Denn der Künstler spielt
mit der Situation des Betrachters ebenso wie mit den Figurationen
selbst, die eigentlich nur ein Mal in ihrer reinen Form erscheinen, auf
weiteren Bildern hingegen in Ausschnitte gepresst oder weiter verfremdet
werden. Die Entfernung zur figürlichen Darstellung wächst so gleichsam
von Bild zu Bild, den Wechsel zur abstrakten Malerei aber versperren die
Assoziationen, die Pokoj geweckt hat.
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