Ausstellung in der Galerie im Alten Schloss Gaildorf vom 09.03. - 30.03.2008

 

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Der Mensch unter der Künstlerlupe

  Bei der diesjährig zweiten Ausstellung der Interessengemeinschaft Kunst handelt es sich um ein visuell und intellektuell sehr abwechslungsreiches Erlebnis. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich auf Initiative von Ellen Eckel eine beachtliche Anzahl von Künstler zusammengefunden hat, um sich auf mannigfaltige Weise mit einem weitreichenden und dennoch anspruchsvollen Thema auseinander zusetzen – „dem Menschen“.

  Kaum ein andere Thematik scheint uns so vertraut und wirft uns gleichzeitig so viele Rätsel auf. Wie wir es auch drehen, letztlich können wir den Menschen immer nur durch menschliche Augen betrachten. Doch eben diese Nähe vernebelt bisweilen unseren Blick. Indem nun die acht Künstler innovative Zusammenhänge schaffen, einzelne Elemente abstrahieren oder in einen neuen Kontext stellen, eröffnet sie uns ein neue Sicht der Dinge.

  Jeder der acht Künstler nähert sich dem „Thema Mensch“ auf unterschiedliche Weise. Die Wahl der künstlerischen Ausdrucksform reich von Malerei und Druckgrafik über Skulpturen und Objekten bis hin zu Installationen. Auch in der inhaltlich Auseinandersetzung weist die Ausstellung ein breites Spektrum auf:

  So beschäftigten sich die beiden in Tübingen wohnhaften Künstlerinnen Gisella Codara und Eva Funk-Schwarzenauer in ihren Exponaten mit der Stellung der Frau in unseren Gesellschaft. Das Streben nach Perfektion fordert heute von den zum Objekt degradierten Frauen einen blutigen Preis. Um dem auferlegten Schönheitsideal zu entsprechen, begeben sich viele Frauen in die Obhut der Chirurgie. Formell findet dieser Missstand seinen Ausdruck im Kontrast zwischen der weißen Unschuld des zerbrechlichen Porzellans und der herausfordernden Intensität der Farbe Rot.

   

Die Malerin Fredericke Just hinterfragt ebenfalls unsere Ansprüche an die äußere Erscheinungsform des Menschen. Mit ihren merkwürdig erscheinenden Kreaturen fordert sie fast spöttisch unsere Vorstellungen von Normalität heraus.

 

Magarete Steinmaier, die zweite Malerin im Bunde, beleuchtet humorvoll die Beziehungen der Menschen untereinander und ihre emotionale Befindlichkeiten. Dabei lässt sie sich unter anderem, wie auch der Druckgrafiker Sieger Raag, von der Sprache beeinflussen. Während in den Schaffungsprozess Steinmaiers lapidar Geäußertes fragmentarisch in die Bilder einfließt, nutzt Raag Wortspielereien zur Kreierung neuartiger Zusammenhänge. Die Vorstellung an „ein warmes Sitzbad“ erweckt ein angenehm entspannendes Gefühl. Die Umwandlung des Ausdrucks in „warmer Sitzbader“ erinnert an den „Barbier“, der früher Zähne zog, und ruft so im Gegensatz zur ersten Wortbedeutung schmerzhafte Assoziation hervor.

                     

Plastischer wird es bei Rosemarie Beißer und Andreas Futter. Mit ihrer Installation „Volksfrömmigkeit“ macht die Künstlerin auf den Widerspruch zwischen der Frömmigkeit und dem Mensch eigenen Sinnlichkeit seines Körpers deutlich. Die scheinbare Unvollständigkeit der Installation  wirkt zuerst irritierend. Bei genauerer Betrachtung werden wir selbst kreativ, indem wir unsere Fantasie zu Assoziationen und Vervollständigungen angeregt wiederfinden. Während Rosemarie Beißer auf die Widersprüche gesellschaftlicher Normen hinweist, widersetzen sich die Bronzefiguren von Andreas Futter den herrschenden Ansichten. Zu seinen Protagonisten zählen so illustre Gestalten wie die eines Wolkenschiebers oder eines kleinen Königs mit seiner Gefolgschaft.

             

Einem derzeit höchst brisanten Thema widmet sich die Initiatorin der Ausstellung, Ellen Eckel. Mit ihrer Farbradierung „Multibäuchling“ macht sie auf die Gentechnik und damit verbundene ethische Problemstellung aufmerksam.

  Insgesamt soll uns die Ausstellung nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern uns durch Ironie und Witz lehren uns, den Menschen, nicht immer ganz so ernst zu nehmen.


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